Podcast-Spezialfolgen zum Thema Covid-19 zum nachlesen & nachhören

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#1 Podcast – Spezialfolge von Robert

Was ist ein Virus?

Viren haben keinen eigenen Stoffwechsel, denn sie besitzen kein Zytoplasma, das ein Medium für Stoffwechselvorgänge darstellen könnte und ihnen fehlen sowohl Ribosomen als auch Mitochondrien. Daher können sie allein keine Proteine herstellen, keine Energie umwandeln und sich auch nicht selbst replizieren.
Infektiöse organische Strukturen, die sich als Virionen außerhalb von Zellen (extrazellulär) durch Übertragung verbreiten, aber als Viren nur innerhalb einer geeigneten Wirtszelle (intrazellulär) vermehren können.
Im Wesentlichen ist ein Virus also eine Nukleinsäure, auf der die Informationen zur Steuerung des Stoffwechsels einer Wirtszelle enthalten sind, insbesondere zur Replikation der Virus-Nukleinsäure und zur weiteren Ausstattung der Viruspartikel (Virionen). Die Replikation des Virus kann daher nur innerhalb der Wirtszelle erfolgen.
Haben keine Enzyme für eigenen Stoffwechseln, brauchen daher einen für das Virus spezifische Wirtszelle um sich zu vermehren. Sie injizieren das Erbgut in die Wirtszelle und verändern die Wirtszelle so, dass sie nun ihre eigenen Proteine (Bausteine für das Virus) produzieren. Dabei wird die Wirtszelle zerstört. Oder sie rekombinieren sich mit dem Genom der Wirtszelle, lassen diese sich vermehren und töten sie erst nach der Teilung ab.
Was macht den Covid-19 so außergewöhnlich? Gefährlich? Warum heißt es Coronavirus? Bzw. CoV-19?
Coronaviren werden nach ihren kronenförmigen Aussehen in der Elektromikroskopie benannt. SARS-CoV-2 Schweres akutes Atemwegssyndrom Coronavirus 2 = Virus, Covid-19 (corona virus disease 2019) = Krankheit. Coronaviren in den 60ern identifiziert. Coronaviren verursachen bei verschiedenen Wirbeltieren wie Säugetieren, Vögeln und Fischen sehr unterschiedliche Erkrankungen: leichte Erkältung bis tödliche: MERS (Middle East Respiratory Syndrome), SARS (Sever Acute Respiratory Syndrome). Coronaviren sind genetisch hoch variabel und einzelne Virusspezies können durch Überwindung der Artenbarriere auch mehrere Wirtsspezies infizieren. Die Infektion an den Menschen ist eher selten und schwer, vor allem bei solch tödlichen Mutationen. Im Dezember 2019 wurden die ersten mit schwerer Lungenentzündung diagnostiziert, am 7. Januar 2020 wurde bestätigt, dass es sich um ein unbekanntes Coronavirus handelt. Als Hauptwirte werden eine Fledermaus und ein Pangolin vermutet, doch um das auf einen Menschen zu übergeben muss eine sehr seltene Situation gegeben sein, alle 3 dieser Spezies müssen an einem Ort versammelt sein, wobei die zwei Säuger infiziert sind.
Wet-Markets kommen ins Spiel wo Tiere übereinander gestockt getötet und so verkauft werden. Eine große Anzahl an Tieren sind an einem Ort, können so „ihr“ Virus an andere Spezies und schließlich an den Menschen weitergeben. Genau das passierte in Wuhan an so einem Markt
Wie kommt es zu solchen Wet-Markets?
In den 70ern sterben über 36 Millionen Menschen in China an Hungersnot. Das kommunistische Regime kontrollierte die komplette Lebensmittelproduktion, scheiterte trotzdem über 900 Millionen Menschen zu ernähren. 1978 wurde die Kontrolle aufgehoben und die private Landwirtschaft wurde erlaubt. Große Unternehmen übernahmen schnell die Kontrolle über beliebtes Essen wie z.B. Schweinefleisch und Geflügel, kleinere Bauern wandten sich daher an das Fangen und Züchten von wilden Tieren. Der ärmere Anteil der Bevölkerung konnte sich so am Leben erhalten und die Regierung ermutigte das auch. 1988: Gesetze wurden erlassen, welche alle Ressourcen der Wildtierwelt zum Besitz des Staates machten und alle Vorgänge bezüglich dieser Nische wurden vom Staat geschützt und ermutig. Das Problem: werden Wildtiere als “natürliche Ressource” bezeichnet, macht es sie zu etwas, das zum menschlichen Vorteil benutzt werden kann. Eine komplett neue Industrie entsteht und boomt: die kleinen Farmen werden plötzlich riesig. Größere Population und Bandbreite solcher Tiere → größere Wahrscheinlichkeit, dass sich solche Krankheiten verbreiten. Auch dienten diese Wet-Markets eine gute Deckung für den illegale Markt (z.B. Tiger, Nashörner und Pangoline werden nach China eingeschleust und verkauft). 2003: SARS bricht von so einem Wet-Market aus. China bannt die Wildtiere Märkte doch nur nach einigen Monaten werden unzählige Wildtiere wieder von der Regierung zum Züchten freigegeben. Große Lobby dahinter; der Großteil Chinas isst keine Wildtiere, vor allem die Reichen und Mächtigen. Sie vermarkten die Tiere als sexuell fördernd, krankheitsbekämpfend und Körper verschönernd. Erst am 20. Januar wurde bekannt gegeben, dass auch eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung möglich sei. Menschen mit schwachem Immunsystem sind daher gefährdet, da der SARS-CoV-2 gut auf Oberflächen überlebt und wenig der Viren aufgenommen werden müssen, damit es zu Erkrankungen führt. Bisher gibt es keine zugelassenen Impfstoffe oder Therapien für Covid-19, zitiert der Spiegel die Weltgesundheitsorganisation WHO.
Bei Influenza hingegen gebe es sowohl schützende Impfungen als auch zugelassene antivirale Medikamente. Auch der Fakt, dass unser Immunsystem nicht auf den neuartigen Coronavirus vorbereitet ist, erhöht die Gefahr schwerer Krankheitsverläufe, die bei Risikogruppen sogar zum Tod führen können. (Merkur.de) Coronaviren scheinen ansteckender zu sein als Grippe-Erreger. (Man kann aber noch sehr wenig sagen). Inkubationszeit bei 14 Tagen bis Symptome sichtbar werden, bei Influenza Grippe sind das 2-3 Tage. Ähnlichkeit mit Schweinegrippe, Vogelgrippe, EBOLA, HIV? Influenza Virus kommt von Geflügel oder Schweinen, HIV von Schimpansen, Ebola von Fledermäusen. Warum und wann passieren solche Pandemien?
Eine Pandemie (also Übergang von Epidemie) kann nur von dem/der Generalsekretär*in der WHO ausgerufen werden
Gab es schon ähnliche Pandemien?
Insgesamt sind Coronaviren je nach Jahreszeit für 10-35 % der gewöhnlichen Erkältungen verantwortlich.
Auch Pandemie?
2002 SARS mit 8000 Fälle, 2012 MERS, bis 2020 ca. 2500 Erkrankungen mit 858 Todesfälle
Zahlen und Fakten im Vergleich mit anderen Viren:
2018/2019 starben in Österreich rund 1.400 Menschen an Influenza – mehr als drei Mal so viele wie im Straßenverkehr. Kleinezeitung.at
Total Deaths 13.672 (4,29 %) (Stand: 22.03.2020), Total Recovered 94.704 (Stand: 22.03.2020)
Studies of hospitalized patients have found that about 83% to 98% of patients develop a fever, 76% to 82% develop a dry cough. journal JAM, Influenza Mortalität unter 0,1 %, Covid 19 Mortalität 2.3 %. China CDC Weekly
The death rate soars to 14.8% in those 80 and older; among those ages 70 to 79, the COVID-19 death rate in China seems to be about 8%; it’s 3.6% for those ages 60 to 69; 1.3% for 50 to 59; 0.4% for the age group 40 to 49; and just 0.2% for people ages 10 to 39. No deaths in children under 9 have been reported. China CDC weekly
In the CDC’s MMWR study, 45% of hospitalizations, 53% of admissions to the intensive care unit (ICU), and 80% of deaths associated with COVID-19 were among adults aged 65 years and older.
The measure scientists use to determine how easily a virus spreads is known as the „basic reproduction number,“ or R0 (pronounced R-nought). This is an estimate of the average number of people who catch the virus from a single infected person, Live science previously reported. The flu has an R0 value of about 1.3. The New York Times.
Researchers are still working to determine the R0 for COVID-19.  Preliminary studies have estimated an R0 value for the new coronavirus to be between 2 and 3, according to the JAMA review study published Feb. 28. This means each infected person has spread the virus to an average of 2 to 3 people.


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#2 Podcast – Spezialfolge von Tom

Letzte Woche haben wir darüber gesprochen, was ein Virus ist und woher es kommt. Außerdem ist der Robert auf das Coronavirus eingegangen, den jetzigen Virus SARS-CoV-2 und die Krankheit Covid-19. Mit Stand Montag, 30.03., übrigens mein Geburtstag, haben wir: Infizierte, Genesene und Tote in Österreich. Das Gesundheitsministerium sagte am Freitag, dass die Zahlen etwas zurückgehen bzw. wir unter 20% Steigerung pro Tag gerutscht sind. Das bedeutet, die Maßnahmen, die von der Regierung gesetzt worden sind, wirken. Doch es seien noch keine validen Zahlen vorhanden, weshalb die Aussagen von Freitag noch etwas gewagt sind. Trotz allem befinden wir uns gerade in dem Stadium, wie es die Prognosen vorhergesagt haben. Das ist gut, weil so die Anzahl der Spitalsplätze berechnet wurden. Wie lange und ob die Maßnahmen auch nach dem 13.April weitergeführt werden, werden wir höchstwahrscheinlich diese Woche erfahren. Ich persönlich glaube, dass die Maßnahmen schrittweise zurückgefahren werden, jedoch denke ich, dass Schulen und Unis bis Ende des Semester nicht mehr öffnen werden. Es ist auch so, dass die Maßnahmen mit der Zeit spielen. Würden 8 Mio. Österreicher*innen von einen auf den anderen Tag krank werden, würde unser ganzes Gesundheitssystem zusammenbrechen. Werden 8 Mio. Österreicher*innen im Laufe eines Jahres krank, könnten Krankenhäuser diese häppchenweise auffangen und besser behandeln. Dir Mortalität bleib gering und Menschen wären schneller wieder gesund. Außerdem wartet man bis es geeignete Medikation gibt, um die Menschen auch von zuhause aus behandeln zu können und nur schwere Verläufe stationär im Krankenhaus aufnehmen muss. Das würde natürlich das ganze System entlasten und die Maßnahmen könnten schrittweise gelockert werden.
Apropos Maßnahmen: Uns erreichten einige Fragen, was nun erlaubt ist und was nicht? Darf ich jetzt spazieren gehen oder muss ich wirklich den ganzen Tag zuhause bleiben? Darauf gibt es zwar eine Antwort, jedoch ist sie meiner Meinung nach widersprüchlich: Grundsätzlich soll man alle Erledigungen, wie Arbeit, von zuhause aus regeln. Das geht natürlich nur, wenn das auch möglich ist. Andere Tätigkeiten, wie einkaufen oder zur Apotheke, sind zwar erlaubt, jedoch auf das Minimum zu reduzieren. Also vielleicht nicht jeden Tag einkaufen gehen, sondern einen großen Wocheneinkauf machen, um so wenig wie möglich mit anderen Menschen Kontakt zu haben. Und das wären wir auch schon beim nächsten Punkt: Der Abstand zu anderen Menschen, soll min. 1 Meter betragen und es sollen Ansammlungen entstehen. Klar einkaufen muss man, doch darf ich jetzt noch spazieren gehen? Grundsätzlich ja, wobei auch hier gilt: Abstand halten. Das bedeutet, gerade in Städten, dass man Menschen, die einem Entgegenkommen, aus dem Weg gehen soll, oder mal nicht auf der Hauptstraße spazieren geht, sondern in kleinen Gässchen, oder wo weniger Menschen sind. Das Ganze gilt jedoch theoretisch nur im Umkreis des Wohnorts. Man soll also nicht unbedingt spazieren fahren: Also mit der U4 nach Heiligenstadt, um dort auf den Kahlenberg zu wandern. Wenn man ein Auto hat, ist es wiederrum theoretisch erlaubt. Da, gerade an Wochenenden, dieses Verhalten an Hotspots zu vermehrten Ansammlungen kommen kann, sollte man solche Aktionen jedoch auch unterlassen. Ich weiß es ist schwierig, ich würde wahrscheinlich auch einfach mal spazieren fahren, wäre mein Motorrad angemeldet, doch eigentlich sollten wir wirklich darauf schauen, dass wir dabei kaum Menschen begegnen, um eine Ansteckung zu vermeiden. Also: Spazieren ja, sogar unbedingt, da Bewegung fit hält, doch geht jedem Menschen aus dem Weg, trefft keine Fremden, mit denen ihr nicht wohnt und macht Besorgungen, wo ich unter Menschen müsst, einmal auf einmal in der Woche. Ende.
Langsam aber doch, kommen wir zum heutigen Thema und zum wesentlichen in dieser zweiten Spezialfolge über das SARS-CoV-2 oder Coronavirus.
Letzte Folge sind wir bei der Frage stehen geblieben, ob wir das Virus überhaupt jemals ausrotten können und damit möchte ich heute auch beginnen:
In gut vernetzten Staaten des Westens ist die Dimension der sich anbahnenden Auswirkungen auf Wirtschaft und Politik, auf jegliche Aspekte des Alltags für die Zeit nach der Corona-Krise in den Köpfen der Menschen noch kaum angekommen. Halten offene Demokratien dieser Probe stand? Wird der dramatische Einbruch der Weltwirtschaft Zustände wie in den 1930er Jahren auslösen, wie Massenarbeitslosigkeit, Verelendung, Umstürze, bewaffnete Konflikte, einen Überwachungsstaat? Oder wird die Weltgemeinschaft wertvolle Lehren aus der Epidemie ziehen, nutzt sie die Gelegenheit zu einem Neustart, ohne die Fehler der Vergangenheit zu wiederholen? Gegenseitige Beschuldigungen wie etwa jene Donald Trumps in Richtung Europa oder China – immer wieder spricht er vom „China-Virus“ – sind Populismus in Reinkultur. Aber auch wir in Europa erleben zurzeit nationale Egoismen und Schuldzuweisungen: Skandinavische Staaten verorten die Schuld an der Ausbreitung des Virus bei Österreich. In Tirol, wo die Touristiker und Liftbetreiber trotz Häufung der Infektionen eine vorzeitige Beendigung der Schisaison hinauszögerten, weist man auf die Nähe zu Italien. Dabei sind die Tatsachen, dass italienische Markenprodukte von billigen chinesischen Arbeitern in Norditalien hergestellt werden (es gibt etwa 300.000 Chines*innen in Italien (die Dunkelziffer ist jedoch um einiges höher) oder dass sich Menschen aus aller Welt in Ischgl in Massen in immer größeren Hotelburgen und auf naturraubenden Schipisten tummeln, zwei Seiten derselben Medaille.
Peter Daszak von der EcoHealth Alliance, der diesem Expertengremium angehört, sagt nun voraus, dass dies nicht der letzte Ausbruch sein werde. „Wir werden größere Pandemien bekommen und sie werden öfter vorkommen. Aber wenn wir jetzt genauer aufpassen, was gerade vor sich geht, könnte es nächstes Mal anders sein.“ Die Seuchen seien nicht ein Teil unserer Kultur, sondern deren Folgen. (Quelle: https://www.heise.de/tp/features/Von-Krankheit-X-zu-COVID-19-4688054.html?seite=all)
Doch was müssen wir nun tun, um das Virus zu stoppen? China, Süd-Korea, Singapur und Taiwan haben schon gezeigt, dass dies möglich ist, jedoch braucht das eine Menge an Koordination und Geld der Entscheidungsträger*innen, aber auch ein große Portion an Vertrauen und Kooperation der Bürgerinnen und Bürger. Was bedeutet das nun konkret:
Die New York Times schrieb einen Artikel, was in Zeiten wie diesen wichtig ist, um die Krise gut zu überstehen. Zu aller erst, ist es wichtig in Wissenschaftler*innen zu vertrauen und auf diese zu hören. Klar muss man hier erwähnen, dass die Wissenschaft nicht immer die richtige Antwort auf gesellschaftliche Fragen hat, deshalb gibt es ja Politiker*innen und unserer Regierung besteht deshalb auch nicht aus Expert*innen. Dennoch ist es wichtig jetzt die Meinungen der Wissenschaftler*innen zu hören und als Entscheidungsträger*in darauf zu hören und abzuwägen, was das Beste für die Gesellschaft ist. In Deutschland beispielsweise gibt das Robert Koch Institut ein wöchentliches Update zum Coronavirs. Das schafft Vertrauen, da man bei Politiker*innen immer im Hinterkopf hat: „Was haben diese vor.“ Doch auch in Österreich wird zumindest ständig betont, dass die Rücksprache mit Expert*innen extrem hoch sei, was auch wiederum Vertrauen schafft.
Der zweite Punkt, der extrem wichtig ist, ist das wohlbekannte Social Distancing. In Österreich haben wir mit Stand Montag, 30. März 2020, die Maßnahmen nur noch aus dem Haus zu gehen, wenn es unbedingt notwendig ist, jedoch habe ich das heute eh schon angesprochen. Des weiteren ist seit heute Maskenpflicht in Supermärkten (diese werden vor den Eingängen ausgegeben) und höchstwahrscheinlich bald generell an öffentlichen Plätzen. Viele selbsternannte Standard Foren und Facebook – Expert*innen werden jetzt schrein, dass dies doch schon viel früher kommen sollte. Erstens komme ich zu diesem Thema heute noch und zweitens, gab es bis jetzt einfach keine Masken.
Der dritte Punkt, ist die Big Data Maßnahme. Auch zu dieser komme ich später nochmals genauer, doch was ich hier schon mal erwähnen möchte ist, dass beispielsweise Süd-Korea Kreditkarten und Handydaten-Informationen der Menschen getrackted hat, um die Bewegungen dieser zu sehen. So konnte man außerdem herausfinden, wie und wo der Virus war und somit alle anderen warnen, die in der Umgebung waren bzw. diese in Selbstisolation zu schicken. Klingt nach Kontrollstaat? Ist es auch! Denn hält man sich nicht daran, schlägt das System Alarm, die Polizei steht vor deiner Tür und du musst umgerechnet 8.000$ Strafe zahlen. Natürlich lässt sich über solche Maßnahmen diskutieren, denn klar: Sie lassen einen das Virus verfolgen, doch wen verfolgen sie noch? In Österreich wurde eine abgeschwächte Version dessen, mittels der Rot Kreuz App vorgestellt. Jede*r der/die, die App hat, soll sich eintragen und lässt sich tracken. Wird man positiv getestet, trägt man das ins System ein. Überall wo du warst, ist nun nachvollziehbar. Alle anderen die in der Umgebung waren, werden gewarnt. Eh ned deppat. Doch was passiert, wenn du nur noch mit positiven Gesundheitsbescheid (ich nenne es jetzt mal so) ein Ticket für den Bus kaufen darfst? Oder wenn wir in näherer Zukunft nur mehr mit dieser App in den Club dürfen? Auch dazu komme ich später nochmals genauer.
Zu den Maßnahmen kommen noch Punkte wie: Testen, testen und nochmals testen, klarerweise die Infizierten isolieren, Freiwillige rekrutieren (In Österreich in Form des Zivildienstes) und generell eine Impfung zu finden, um die Herdenimmunität zu erreichen. (Quelle: https://www.nytimes.com/2020/03/22/health/coronavirus-restrictions-us.html?action=click&module=Spotlight&pgtype=Homepage&ref=nl)
Doch grundsätzlich: Nochmals zurück zu der Frage, ob wir das Virus jemals ausrotten können? Eher nicht. Die Frage ist eher, wie wir damit umgehen. Es gibt eigentlich nur eine Möglichkeit: Die Herdenimmunität. Und dafür gibt es zwei Arten diese zu erreichen. Entweder wir warten bis zur Impfung, dann müssen wir uns an die gegebene Situation anpassen. Das bedeutet nicht, dass diese Maßnahmen in dieser Form weiter bestehen bleiben, sondern wahrscheinlich in abgeschwächter Form. Die zweite Art wäre, 60-80% der Menschen infizieren lassen und die, die überleben werden immun sein (angenommen die Immunität dauert ein paar Jahre an, was noch keiner weiß). Davon sind nun auch die letzten Staaten der Welt abgewichen und versuchen, wie oben schon erwähnt, mit der Zeit zu spielen. Doch das bedeutet eben, dass wir in unserem Leben etwas ändern müssen, nämlich in Bereichen, wie: der Arbeit, den privaten Treffen, gesundheitliche Fragen, werden sich ändern und der Bereich der Erziehung und Ausbildung wird sich stark verändern. Natürlich können wir nicht 18 Monate (so lange brauchen wir in etwa bis eine Impfung vorhanden ist), mit diesen Maßnahmen leben. Deshalb haben sich Expert*innen des Imperial College London zusammengesetzt und verschiedene Szenarien entwickelt. Im Ersten sollen wir die Maßnahmen für einen Monat strikt einhalten, um im anderen die Maßnahmen über Bord zu werfen und bei steigender Anzahl an Intensivpatienten, sollen die Maßnahmen wiedereingesetzt werden. Lustiges Leben, sag ich da nur. Das soll nämlich so lange dauern, bis eine Impfung da ist. Das andere Szenario meint, dass nur Geschäfte und Büros wieder öffnen, doch Schulen geschlossen bleiben. Das würde zwar die Fallzahlen der Infizierten steigern, doch das Gesundheitssystem nicht überlasten, so die Annahme. Wieso nicht einfach mehr Krankenhäuser bauen? Na weil zu wenig Personal da ist. Wie wärs mit 5 Monaten Lockdown und den Virus aushungern lassen? Auch ned so gscheit, weil wenn der Anstieg im Herbst passiert, dann is noch gschissana, als wie jetzt im Frühling, weil das Gesundheitssystem ohnehin überlastet sein wird, Menschen sowieso mehr verkühlt sind und so weiter. Und was ist, wenn wir die Alten und Schwachen opfern? Dazu komme ich später in dieser Folge.
Apropos Schwache und Alten: Diese wird es sowieso am stärksten treffen. Und damit meine ich nicht mal Alte in unserer Kultur, sondern in Entwicklungsländern wird sich die Situation drastisch verschlimmern. (Quelle: https://www.technologyreview.com/s/615370/coronavirus-pandemic-social-distancing-18-months/?ref=nl)
Ich möchte jetzt zu der Frage kommen, warum sich der Virus soviel schneller verbreitet hat, als in China und anderen asiatischen Ländern. Zum Teil habe ich heute schon darüber gesprochen: Die Überwachung des Einzelnen funktioniert auf größeren Ebenen, doch auch die Kultur ist eine andere. Wo sich hingegeben Menschen in Europa wenig befehlen lassen, ist in vielen asiatischen Ländern die Bevölkerung gehorsamer. Viele Expert*innen sagen, dass Europa nun den Preis für ihre offene und demokratische Politik zahlen, wo Menschen es gewohnt sind viel zu Reisen und sich frei zu bewegen und wo die Politik der Gesellschaft zuhört. China ging einen anderen Weg: Menschen in ihren Wohnung einsperren und mittels Militär und Polizei, die Drohnen verwenden, das auch zu kontrollieren und das mittels Tracking Technologie auch noch einmal zu überprüfen. Außerdem hatten viele Asiatische Länder schon SARS im Jahr 2003/2004, das der Robert letzte Woche schon erklärt hat. China hat Wuhan zu gemacht, da waren 600 Menschen infiziert. Da haben wir noch nicht einmal gewusst was ein Coronavirus ist. Italien hat erste Shut Downs gemacht als etwa 7.000 Infizierte in Italien waren. Ein großer Unterschied, denn wie wir wissen ist die Dunkelziffer der Infizierten sehr hoch. Unter anderem dieser vorzeitige Shut Down und die Big Brother Maßnahmen, sind nun dafür verantwortlich, dass China gerade wieder zur Normalität zurückkommt. Doch kann man das Normalität nennen, wenn man in den Bus nur mehr mit positiven Gesundheitspass mittels App reinkommt? In China schon, doch kann das auch bei uns funktionieren? (Quelle: https://www.nytimes.com/2020/03/19/world/europe/europe-china-coronavirus.html?smtyp=cur&smid=fb-nytimes)
Hierzu hat der Falter ein sehr gutes Interview mit Elisabeth Holzleithner geführt. Sie ist Juristin, Philosophin und Universitätsprofessorin für Legal Gender Studies an der Universität Wien. Zur Frage, ob wir uns zu einer Sicherheitsgesellschaft bewegen sagt sie: „Ich denke, dass es in der Tat Tendenzen gibt, dass wir zu einer Sicherheitsgesellschaft werden, wenn wir etwa an Maßnahmen zur Terrorbekämpfung oder zur Abschottung gegen Flüchtlinge denken. Die Angst vor Corona ist aber etwas anderes. Der Staat bringt gerade seine Sicherheitskompetenz in einem in der Zweiten Republik noch nie erlebten Ausmaß zur Anwendung. Wir haben damit praktisch keine Erfahrung. Das Epidemiegesetz wird sehr weit interpretiert, mittlerweile ist das Covid-19-Gesetz erlassen worden, das unsere Freiheit im Namen von Sicherheit und Gesundheit stark einschränkt. Hier haben wir es tatsächlich mit einem Ausnahmezustand zu tun. Wir müssen darüber wachen, dass dieser nur ganz punktuell und temporär zum Einsatz kommt und es keine längerfristige Verschiebung hin zum Sicherheitsstaat gibt.“ Also ja, wir bewegen uns in diese Richtung und wir müssen aufpassen, dass nicht zur Normalität wird. Doch ist es eigentlich richtig, auch wenn’s eine Ausnahmesituation ist, dass man Menschen so überwacht? In unserer Kultur eigentlich nicht. Immerhin haben wir lange für diese Unabhängigkeit und Freiheit gekämpft und jetzt werfen wir sie einfach über Bord? Das kann ja eigentlich nicht sein. Das schockiert mich etwas. Dazu sagt Frau Holzeithner: „Aber wir dürfen nicht vergessen, dass bei vielen die Nerven blank liegen. Die Menschen reagieren ganz unterschiedlich. Es gibt die Panikmacher, die Dramatikfreaks, die Zurechtweiser, die Spaßmacher. Auf einem emotionalen Medium wie Twitter, wo alle schnell und unmittelbar reagieren, wird das schön sichtbar. Und die Situation ist tatsächlich sehr ernst. Wenn andere Meinungen in Krisenzeiten nur noch niedergeknüppelt werden, wird das problematisch. Allerdings ist die Corona-Situation ganz besonders. Hier geht es darum, vulnerable Menschen zu schützen, also Ältere oder Menschen mit schweren Erkrankungen. Und es geht auch um den Schutz einer Krankenhaus-Infrastruktur, die nicht kollabieren darf. Wie schnell das gehen kann, hat man an Italien gesehen, wo nun regelmäßig dramatische Entscheidungen zum Einsatz von knappen Mitteln zur intensivmedizinischen Betreuung getroffen werden müssen. Es liegt tatsächlich an uns allen, dass die Situation nicht derart eskaliert.
Selbst wenn wir nun Anschober und Kurz für ihre Auftritte und Maßnahmen loben: Wir haben Grund, skeptisch und kritisch zu sein. Die Rolle der Medien kann man gar nicht überschätzen.“ (Quelle: https://www.falter.at/zeitung/20200318/einer-regierung-traue-nie/_4cb121d0ca)
Puh! Darf und soll ich jetzt Maßnahmen kritisieren bzw. in Frage stellen? Oder werde dafür geluncht? Eins ist denke ich wichtig, dass man Informationen aus sicheren Quellen nimmt, um sich eine Meinung zu bilden und ja damit meine ich auch, Expert*innen aus dem Regierungsteam und ja damit meine ich offizielle Stellen, wie die WHO und das RKI und nein damit meine ich nicht irgendwelche Ärzte auf YouTube. Also ja hinterfragen ist schon in Ordnung.
Und ich will hier nochmals kurz auf die Überwachung eingehen, denn ich hab schon von vielen Seiten gehört, dass Tracking mittels App eig eh voll leiwand ist, weil dann weiß ma ob ma mit einem*r Infizierten in Kontakt war. Jo eh! Aber stell dir vor du darfst dann eben, so wie in China, nur mehr mittels App in den Club, in die Bar, in dein Lieblingsrestaurant, ins Theater, mit der U-Bahn fahren und so weiter und so fort! Wie leicht wäre es dann für politische Mächte dich Schritt für Schritt zu verfolgen? Das ist dir egal, weil du eh nichts zu verbergen hast? Du hast nur so lange nichts zu verbergen, bis jemand sagt du hast nichts zu verbergen. Und damit mein ich, dass Gesetzte kurzerhand geändert werden könnne. Du warst auf der Demo und die Regierung weiß das? Schon ist der Zugang zur U-Bahn für dich gesperrt. Du gehst eh nicht auf Demos? Na, dann darfst du an einem sonnigen Tag nicht mehr spazieren gehen. Machst du’s trotzdem, geht’s bergab mit dir. Ich weiß, das sind übertriebene Vorstellungen. Was ich damit sagen will ist, dass Maßnahmen, wie diese nicht einfach so leiwand sind. Ja sie können bei der Bekämpfung gegen das Virus helfen, aber ist danach wirklich Schluss mit der Überwachung?
So geht’s voran in Europa: A1 gibt der Regierung anonymisierte Daten, wie sie sagen, damit diese herausfinden kann, ob die Maßnahmen wirken. Dazu gesellen sich Italien, Deutschland, Litauen – die Liste der Länder, die Smartphone-Überwachung nutzen, wird immer länger. Auch sie halten sich vergleichsweise noch zurück. In Israel wurde hingegen beschlossen, Überwachungsmaßnahmen, die eigentlich gegen Terroristen genutzt werden, im Antiviruskampf auf die Bevölkerung anzuwenden. Wenn das Menschenleben rettet, hat es vorübergehend Sinn. Aber: Wir müssen auf unsere Rechtsstaatlichkeit achten und klare juristische Grenzen definieren. Wir müssen sicherstellen, dass diese Notlösungen auch wirklich rückgängig gemacht werden, sobald die Krise bewältigt ist. In einer Lage wie der jetzigen ist es essenziell, sich vor Augen zu halten: Es wird eine Zeit nach dem Virus geben. (Quelle: https://www.derstandard.at/story/2000115939391/massenueberwachung-in-der-corona-krise-die-zukunft-darf-nicht-1984)
Gut, also unsere Gesellschaft bewegt sich in die Richtung des Kontrollstaats, doch wir wissen, es muss nach der Krise beendet sein. Ob es überhaupt so etwas wie nach der Krise geben wird, dazu komme ich später in dieser Folge. Zunächst möchte ich auf das Recht und die Humanität in solch einer Krise eingehen und zwar zu einem wesentlichen Punkt, den viele wahrscheinlich schon vergessen haben: Die Flüchtlingskrise, die wir gerade haben. Das Coronavirus verdrängt die Flüchtlinge von der Tagesordnung der EU. Das ist verständlich, verdeckt aber die längst zur Gewohnheit gewordenen Verletzungen der Rechte von Flüchtlingen in Europa. Etwa 20.000 Flüchtlinge sitzen an den Grenzen zu Griechenland – es werden immer weniger, da sie Türkei, wegen der Coronakrise, wieder zurückholt – und die EU schaut zu – oder noch besser: Sie bietet ihnen folgende Aktion an: Wir zahlen, wenn ihr nach Hause geht. Diese Initiative der EU-Kommission ist ein Zeichen echter Hilflosigkeit. Ursula von der Leyen hatte ihre geplante Reise nach Athen wegen der Corona-Krise über Nacht abgesagt. Dort wollte sie eigentlich ein Heim für unbegleitete Flüchtlingskinder besuchen. Das hätte jedenfalls bessere Bilder ergeben als in der Vorwoche die unschönen Aufnahmen an der griechisch-türkischen Grenze. Dort hatte von der Leyen die militärische Ausrüstung der griechischen Grenzschützer gelobt und sie den „Schild“ der EU genannt. Ungeachtet der Tatsache, dass die Einsatzkräfte brutal mit Tränengas und Gummigeschossen gegen Flüchtlinge auf der türkischen Seite der Grenze vorgingen.Um wenigstens irgendetwas zu tun, verkündete nun die zuständige EU-Kommissarin, man werde Rückkehrwilligen 2000 Euro zahlen, wenn sie freiwillig die Lager auf den griechischen Inseln verlassen. Das gelte vor allem für Menschen, die aus wirtschaftlichen Gründen gekommen seien. Allerdings zeigt ein Blick in die Statistik der griechischen Regierung, dass die meisten Flüchtlinge aus Syrien, dem Irak und Afghanistan kommen. Bangladeschi, Pakistani und Angehörige anderer Nationalitäten spielen eine geringere Rolle. Ob das griechische Militär Flüchtlingsboote in der Ägäis behindert oder die Flugüberwachung der EU mit der sogenannten nationalen libyschen Küstenwache zusammenarbeitet – diese pauschale Abweisung von Flüchtlingen ohne rechtliche Überprüfung, ist nach internationalen Regeln verboten. Aber sie wird längst betrieben und niemand interessiert sich dafür. (Quelle: https://www.dw.com/de/kommentar-abschied-von-recht-und-humanit%C3%A4t/a-52767976)
Ich habe eine womöglich perfekte Kampagne für die EU gegen ankommende Flüchtlinge. Ich meine sie ist simpel und Ultra leicht umzusetzen: #stayfuckinghomerefugees
Nächstes Thema, weil ich finde dazu sollte sich jede*r selber Gedanken machen. Falls ihr generell Feedback oder Meinungen zu Folgen geben wollt, dann könnt ihr das gerne auf IG oder unserer Website machen. Wir würden uns freuen.
Zunächst einmal möchte ich mich der sogenannten Corona Gesellschaft widmen und danach frage ich dich wie es dir in der Isolation geht Robert, also kannst du dir schon mal eine Antwort überlegen.
Die Corona Gesellschaft: Der Spiegel hat einen genialen Kommentar zu sogenannten Vernunftpanik rausgebracht. Die Vernunftpanik ist der öffentliche Furor, dass andere Menschen weniger vernünftig handeln als man selbst. Man muss die Vernunftpanik abgrenzen einerseits von „Moral Panic“, wo bestimmte Verhaltensweisen oder Gruppen ganz grundsätzlich als Gefahr betrachtet werden. Und andererseits vom rechtsreaktionären Konzept der „Hypermoral“, das moralische Kommunikation immer genau dann abwertet, wenn sie einem nicht in den Kram passt. Vernunftpanik ist die überdrehte Stufe von tatsächlich sinnvollem Handeln.
Wie schon angesprochen bilden sich gerade sehr viele Expert*innen in Sozial Media und verlangen noch strengere Ausgangssperren. Diese Menschen sind jedoch keine Expert*innen. Es sind Menschen, die es eh leiwand haben. Für die ist eine Ausgangssperre ned so schlimm, weil eh das Gartal vor der Haustür ist oder der Pool sich ab Mai dann eh benutzen lässt. Nicht so leiwand ist eine Ausgangssperre jedoch in einer Einzimmerwohnung mit 2 kleinen Kindern. Sascha Lobo schreibt: „Wenn ich freiwillig nicht mehr rausgehe, sollen es die anderen gefälligst auch nicht tun! Außer natürlich zur Arbeit, denn die ist viel wichtiger als etwa die psychische Gesundheit. Die Verkäuferin im Einzelhandel hat gefälligst acht Stunden unterbezahlt an der Kasse zu sitzen und sich von barschen Kunden anhusten zu lassen – aber mit ihrem Kind eine halbe Stunde im Park zu verbringen, damit sie nicht durchdreht, das ist unverantwortlich! Ruft man ihr mit dem Lieferprosecco in der Hand in der Netflix-Pause vom Balkon aus zu, Hashtag #staythefuckhome.“
Das gleiche gilt für Menschen, die sich mal nicht alle Sekunden den Liveticker des Standards verfolgen oder ORF2 in Dauerschleife im Hintergrund laufen haben: Es gibt eben diese, die mal abschalten wollen. Die, bei denen eine Überforderung der ständigen Überdosis etwaiger Nachrichten herrscht. Die muss man jetzt nicht anschnauzen, weil sie nicht sofort mitbekommen haben, dass nun ab heute Maskenpflicht in den Supermärkten herrscht. „Was?! Du weißt das nicht?! Wo wohnst du?! Am Mond?!“ Nein in deiner Nachbarschaft, du Heisl.
Weiters: Die Gesellschaft und das Home Office: Es ist nicht immer Möglich im Home Office zu arbeiten. Also schnauz den unteren Pöbel nicht an, wenn es bei diesem nicht möglich ist. Und ja natürlich sag ich Pöbel jetzt extra.
Wer Leute beschimpft, die sich falsch verhalten, trägt faktisch dazu bei, dass die ihr Verhalten nicht ändern werden. Was funktioniert: geduldige Appelle an Empathie und Einsicht, am besten von unmittelbar Betroffenen. Und das immer und immer wieder und bestimmt, aber freundlich.
Natürlich muss in derartigen Notsituationen auf Fachleute gehört werden – aber eben nicht allein auf medizinische. Sondern auch auf politische Profis mit sozialer. Nicht alles, was auf den ersten Blick wissenschaftlich sinnvoll ist, kann eins zu eins umgesetzt werden. Gesellschaften sind komplexe Haufen, in denen oft anders reagiert wird, als Laien glauben. Klaus Lederer, Berliner Kultursenator, weist zu Recht darauf hin, dass mit einer Ausgangssperre auch die häusliche Gewalt deutlich ansteigt, aktuelle Zahlen aus China belegen das. Natürlich ist es eine Abwägungsfrage, ob eine Ausgangssperre sinnvoll ist. Die Antwort wird wissenschaftlich und politisch gefunden werden müssen, aber wer auf Basis der selbstdiagnostizierten „Dummheit der Masse“ so tut, als sei das Härteste und Extremste die einzige Alternative, kommuniziert wenig verantwortlich. Sondern vernunftpanisch. (Quelle: https://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/corona-gesellschaft-wider-die-vernunftpanik-kolumne-a-772e1651-f393-4bc6-8f79-79dc7a5ed025)
So lieber Robert, ich Frage dich: Wie geht’s dir so in der Coronakrise? Ich hoffe du hast eine gute Antwort.
Zusammenfassend lässt sich schon einmal festhalten, dass Corona simultan die Geburtenrate als auch die Scheidungsrate, psychische Erkrankungen und leider wohl auch die Zahl der Suizide steigern wird, und demgegenüber lediglich Selbstbestimmung und Selbstreflexion bei einem Teil der Menschen stehen wird.
Ich werde nun auf ein paar Punkte über die psychologischen Folgen in der Coronakrise eingehen:
1. Corona und Partnerschaften
Es ist also zu erwarten, dass mehr Paare aus dem Gleichgewicht kommen, und es daher vermehrt zu Trennungen kommt. China weist bereits erste Empirie in diese Richtung auf. Natürlich wird jedoch auch die Sexualität wieder einen höheren Stellenwert bekommen, was unserer Gesellschaft rund um Weihnachten einen Babyboom bescheren wird.
2. Corona und die Einsamkeit
Für extravertierte Menschen, die gemäß der Theorie des optimalen zerebralen Erregungsniveaus (also wie stark soll mein Gehirn stimuliert sein; Asendorpf 2015, S. 30), ist die jetzige Zeit sehr hart, da ihre wesentliche Freudenquelle und Motivation, nämlich Geselligkeit, strukturell bedingt auf längere Zeit unmöglich sein wird. Demgegenüber werden introvertierte Menschen das „social distancing“ viel besser bewältigen können, da es viel näher an ihrer Eigentlichkeit bzw. ihrem optimalen Erregungsniveau liegt.
Die Folgen von Einsamkeit sind ebenfalls schon bekannt, nämlich erhöhte Erkrankungsraten des Herz-Kreislauf-Systems und vermehrte psychische Störungen, insbesondere Depressionen. Vor allem wird es leider deutlich mehr Suizide geben.
3. Corona und die Langeweile
Insbesondere Menschen, die ein hohes Leistungsmotiv haben (also den Wunsch, ständig etwas zu schaffen, voranzukommen und sich zu verbessern), sowie extravertierte Menschen werden sehr schnell Langeweile erleben. Allerdings wird es spätestens dann, wenn es zu Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit kommt, sehr viele Menschen treffen und ihnen langweilig werden. Denn neben Kooperation und Kontakt, sozialer Anerkennung und Identitätsbildung sind eben auch Zeitstrukturierung und Aktivität sowie Kompetenzerleben wichtige psychosoziale Funktionen der Erwerbsarbeit. Wer also jetzt die Zeit nutzt, um Dinge zu tun, auf die er oder sie sich immer schon gefreut, hat, sie im Alltag aber nicht tun konnte, und sie jetzt trotz Coronakrise tun kann (wie Lesen, Handwerken, bestimmte Spiele spielen, Weiterbildungsangebote nutzen), wird die Krise psychisch deutlich besser bewältigen als Menschen, die schon im Ausgangszustand wenig mit sich anzufangen wissen.
4. Corona und Existenzängste
Dieses Gefühl, nicht zu wissen, ob am Monatsende genügend Geld auf dem Konto ist, wird eine enorme Belastung sein
5. Corona und Selbstreflexion
Corona kann zur dringend benötigten Entschleunigung beitragen. Das Problem ist jedoch, dass viele Menschen ja gerade die Selbstreflexion scheuen. Teils aus Ängsten vor den generierten Erkenntnissen, teils aus Unsicherheit, teils weil sie sich einfach auch selbst nicht gut kennen oder kennen wollen. Häufig wurde der Tag ja gerade vollgepackt, um Selbstreflexion zu vermeiden. Dies geht für viele Menschen jetzt nicht mehr, und das kann dann auch mit schmerzhaften Erkenntnissen einhergehen. Denn für gewöhnlich ist Selbstreflexion ein Ist-Soll-Vergleich, ein Abgleich zwischen dem realen Selbst und dem idealen Selbst. Wenn dieser Vergleich allzu negativ ausfällt, ist dies psychisch und affektiv sehr unangenehm. Anders formuliert: Bei einigen Menschen war es durchaus eine Schutzfunktion, dass sie keine Zeit hatten, über sich selbst nachzudenken. Hingegen wird es aber durchaus auch Menschen geben, die jetzt Zeit für Selbstreflexion haben und aktiv dadurch ihre Persönlichkeit entwickeln können.
Vielleicht fragst du dich jetzt, Robert, ob es auch etwas Positives zu sagen gibt?
Ja. Wir werden nach der Krise Dinge, die wir bisher für selbstverständlich hielten, zumindest eine gewisse Zeit wieder schätzen. Im optimalen Falle werden wir deutlich mehr Dankbarkeit für verschiedene Dinge und Menschen haben, da wir die Erfahrung ihrer Nichtselbstverständlichkeit als gesamte Gesellschaft gemacht haben werden. Die kollektive Hygiene wird sich deutlich verbessert haben. Wir werden viel stärker ein Bewusstsein für die grundlegende Verletzlichkeit der schwächeren Mitglieder in unserer Gesellschaft haben. (Quelle: https://www.institut-kommunikation-gesellschaft.de/die-psychologischen-folgen-der-coronakrise/)
Apropos schwächere Mitglieder in unserer Gesellschaft: Die Frauen! Haha naja so witzig ist das gar nicht. Nur wer einen systemerhaltenden Beruf hat, soll wirklich noch zur Arbeit gehen, heißt es von offizieller Seite in der Corona-Krise. Die Statistik zeigt: Diese Systemerhalter*innen sind meistens Frauen – und trotzdem werden sie schlecht bezahlt.
Der österreichische Markt sieht nicht viel anders aus. Im Gesundheits- und Sozialwesen sind 77% der Beschäftigten weiblich, im Einzelhandel sind es 74 Prozent und in der Reinigung und Hausbetreuung 63 Prozent. All diese Berufsgruppen werden notorisch schlecht bezahlt. Dennoch sind sie es, die unerlässlich für die Sicherstellung einer funktionierenden Gesellschaft sind. Die Corona-Krise macht das gerade mehr als deutlich. (Quelle: https://wienerin.at/statistik-es-sind-frauen-die-unsere-gesellschaft-der-krise-aufrecht-erhalten-und-auch-sonst)
Zumindest wird geklatscht! Da den Job auch deshalb weniger machen wollen, müssen in der Corona-Krise nun auch Zivildiener in der Pflege, Altenbetreuung, im Rettungsdienst und bei Krankentransporten eingesetzt werden, um Lücken zu schließen. Hier zeigt sich ein weiteres – und bereits lange vorher bekanntes – Problem der Care-Branche: Es braucht viel mehr Beschäftigte. Nicht nur wegen der Corona-Erkrankten, sondern weil die Menschen immer älter werden und damit die Zahl der Pflegebedürftigen steigt. So benötige es bis 2030 insgesamt 75.700 zusätzliche Pflegekräfte, heißt es in einer Studie der Gesundheit Österreich GmbH für das Sozialministerium aus dem Vorjahr. Mit der institutionellen Fürsorgearbeit ist es also nicht getan. Wer kümmert sich derzeit um die Kinder, die nicht in den Kindergarten oder in die Schule können, wenn die Großeltern nicht aufpassen sollten? Vermutlich die Mütter. Wer schmeißt neben Arbeit und Kinderbetreuung in der Regel auch noch den Haushalt? Die Frau. Das Jahr 2020 ist zufälligerweise auch das von der Weltgesundheitsorganisation ausgerufene „Jahr der Pflegerinnen und Pfleger“. So sollte Aufmerksamkeit und Wertschätzung für den Beruf geschaffen werden. (Quelle: https://www.derstandard.at/story/2000115893223/corona-krise-zeigt-frauen-sind-stuetze-der-gesellschaft) Vielleicht schafft man nun mehr Aufmerksamkeit – dank Coronakrise!
Wir neigen uns dem Ende zu und somit auch zu der Zeit nach Corona: Dazu hat sich die Zeit 7 Szenarien nach der Coronakrise angeschaut:

  1. Das Coronavirus wird den Staat auf ganzer Linie zurückbringen
  2. Das Coronavirus wird den Nationalismus verstärken
  3. Experten sind wieder in Mode
  4. China könnte als Sieger dastehen, die USA als Verlierer
  5. Panik wird vom Feind zum Freund
    Keine Panik, das wäre die falsche Antwort auf die Covid-19-Krise. Um die Pandemie zu verlangsamen, sollten die Leute Angst haben – und ihren Lebensstil radikal ändern.
  6. Ein neuer Generationenkonflikt
    Die Covid-19-Krise wird einen erheblichen Einfluss auf die Dynamik der Beziehungen zwischen den Generationen haben. Im Zusammenhang mit den Debatten über den Klimawandel und dessen Gefahren haben die jüngeren Generationen den Älteren vorgeworfen, egoistisch zu sein und nicht ernsthaft für die Zukunft zu sorgen. Auch diese Dynamik kehrt das Coronavirus um: Jetzt sind die älteren Mitglieder der Gesellschaft viel verletzlicher und fühlen sich bedroht von der offensichtlichen Unwilligkeit der Millenials, ihren Lebensstil zu ändern.
  7. Menschen oder die Wirtschaft retten?
    Es wird der Moment kommen, an dem die Regierungen gezwungen sein werden, sich zu entscheiden: Entweder sie dämmen die Pandemie ein, was zur Zerstörung der Wirtschaft führt, oder sie nehmen einen höheren menschlichen Preis in Kauf, um die Wirtschaft zu retten. (Quelle: https://www.zeit.de/gesellschaft/2020-03/coronavirus-pandemie-auswirkungen-folgen-panik-wirtschaft-zukunft-europa/seite-2)

Achja: das Virus und die Alten
„Zehntausende vitale Lebensmodelle und Strukturen werden geopfert, um einen Status quo zu erhalten. Wenn ich sehenden Auges daran denke, dass meine Kinder ihre Firma, ihren Job oder nicht einmal eine minimale materielle Sicherheit erhalten können, dann würde ich es als meine Verantwortung annehmen, meinen Platz zu räumen, um dem blühenden Leben Raum zu geben – im Klartext heißt das auch, bewusst zu sterben. Das ist keine heldenmütige Floskel, sondern gelebtes Leben, weshalb ich auch für mich jegliche Heime und Dauerpflege ablehne.“ Schreibt ein 75 jähriger in einem Leserbrief an die OÖ Nachrichten. Wie seht ihr das? Wie siehst du das, Robert? (Quelle: https://www.nachrichten.at/meinung/leserbriefe/das-virus-und-die-alten;art11086,3241483)
Es könne nicht sein, dass die Wirtschaft der Coronakrise geopfert werde, sagte der Politiker aus Texas in einem Fernsehinterview auf Fox News. Man müsse wenigstens diskutieren, ob nicht die älteren Bürger geopfert werden sollten. „Ich denke, es gibt da draußen viele Großeltern wie mich, ich habe sechs Enkel. Ich will nicht, dass das ganze Land geopfert wird“, so Patrick.
Auf Twitter brachten Nutzer ihr Unverständnis für den Vorschlag zum Ausdruck. „Lieber Dan Patrick, Corona tötet auch Menschen im Erwerbstätigenalter. Ihr Verständnis ist genauso falsch wie Ihre Moral“, lautete ein Kommentar. (Quelle: https://www.spiegel.de/panorama/coronavirus-texanischer-gouverneur-fordert-grosseltern-auf-fuer-ihre-enkel-zu-sterben-a-5d7724af-e3d8-4ba0-a561-ecb8af0f402d)
Dieses Thema ist in unser Gesellschaft nicht wirklich anerkannt. Menschenrecht geht über alles und das bedeutet: Wir retten jedes Leben. Das mag in anderen Kulturen anders sein, denn jede Kultur oder Gesellschaft ist eine andere Glaubensrichtung, sag ich jetzt mal. Auch früher war das anders. Die Grippezeit wurde hingenommen. Es war klar, dass mindestens eine Person aus der Familie sterben wird. Doch dazu möchte ich heute nicht mehr sagen, denn es wird in der 4. Spezialfolge über die Historie von Pandemien gehen, und da werde ich dazu näher eingehen.
Zu guter Letzt möchte ich noch ein paar Worte über die Zeit nach der Krise verlieren. Und ich sage hier nach unter Anführungszeichen, denn das Leben wird sich eher verändern, als wieder normal werden. (Quelle: https://www.derstandard.at/story/2000116244006/wie-wird-sich-unser-leben-veraendern?ref=article)

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